27 Juli 2026 · Aebischer Sofie
Kriechende Insekten
Die Grosse Drüsenameise sorgt in der Schweiz und den Nachbarländern zunehmend für Aufmerksamkeit. Die invasive Ameisenart bildet riesige Kolonien und kann dadurch verschiedene Probleme verursachen, von unterhöhlten Wegen bis hin zu Stromausfällen. Doch woran erkennt man sie, weshalb gilt sie als problematisch und was ist bei einem Verdacht zu tun?
%3Afocal(2613x1466%3A2614x1467)&w=1080&q=75)
Die Grosse Drüsenameise (Tapinoma magnum) ist eine invasive Ameisenart, die ursprünglich aus dem westlichen Mittelmeerraum stammt. Die Arbeiterinnen sind etwa 2 bis 4 mm gross und glänzend schwarz gefärbt.
Charakteristisch für die Grosse Drüsenameise ist ihre Fähigkeit, sogenannte Superkolonien zu bilden. Diese bestehen aus zahlreichen miteinander verbundenen Nestern und einer grossen Anzahl Königinnen. Dadurch können sich die Kolonien über grosse Flächen ausbreiten und Hunderttausende bis Millionen von Arbeiterinnen umfassen.
Wird ein Nest gestört oder bekämpft, können die Ameisen rasch aus benachbarten Nestern nachrücken. Diese besondere Lebensweise macht die Art sehr anpassungsfähig und erschwert ihre Bekämpfung erheblich.
Die Grosse Drüsenameise zählt in Mitteleuropa zu den sogenannten Neozoen. Damit werden Tierarten bezeichnet, die durch den Menschen in Gebiete gelangt sind, in denen sie ursprünglich nicht heimisch waren.
Vermutlich wurde die Art über den Handel mit Pflanzen, Erde oder anderem Pflanzenmaterial nach Mitteleuropa eingeschleppt. In den letzten Jahren hat sie sich dort zunehmend ausgebreitet und wurde mittlerweile auch in der Schweiz nachgewiesen.
Erste Funde stammen aus dem Jahr 2012 aus dem Kanton Waadt. Seither gibt es weitere Nachweise, unter anderem in den Kantonen Genf und Zürich. Fachpersonen gehen davon aus, dass sich die Ameisenart in der Schweiz weiter ausbreiten wird.
Die Grosse Drüsenameise kann insbesondere in Siedlungsgebieten erhebliche Probleme verursachen. Durch ihre weit verzweigten Nester unterhöhlt sie unter anderem Gehwege oder Pflastersteine. Dadurch kann der Untergrund instabil werden und Beläge können sich mit der Zeit absenken oder verschieben.
Die Art besiedelt häufig Bereiche in der Nähe von Gebäuden, bspw. unter Fundamenten, in Gärten oder Blumenkästen. Vereinzelt dringt sie auch in Gebäude ein, insbesondere während der kalten Jahreszeit auf der Suche nach geschützten und warmen Rückzugsorten.
Auch technische Infrastruktur kann betroffen sein. Wenn sich Kolonien in Verteilerkästen oder anderen technischen Anlagen ansiedeln, können dadurch Störungen an Strom- oder Internetversorgung entstehen.
Für Menschen stellt die Art in der Regel keine unmittelbare Gesundheitsgefahr dar. Sie kann jedoch beissen und wird aufgrund ihres massenhaften Auftretens häufig als störend empfunden.
Neben den Auswirkungen auf Gebäude und Infrastruktur stellt die Grosse Drüsenameise auch ein ökologisches Problem dar. Durch ihre grossen Kolonien und ihr aggressives Verhalten kann sie einheimische Ameisenarten verdrängen und dadurch die Artenvielfalt beeinträchtigen.
Ein Befall mit der Grossen Drüsenameise fällt meist nicht durch einzelne Individuen auf, sondern durch ihr massenhaftes Auftreten. Auffällig sind grosse Ansammlungen von Ameisen sowie breite, mehrspurige Ameisenstrassen.
Weitere typische Hinweise auf einen Befall sind:
Erd- oder Sandhäufchen an den Nesteingängen
Nester unter Pflastersteinen, Gehwegplatten, Terrassen oder Mauern
Unterschiedlich grosse Arbeiterinnen innerhalb derselben Kolonie
Zahlreiche Ameisen, die bei einer Störung innert kurzer Zeit aus dem Boden strömen
Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist der Geruch der Ameisen. Werden einzelne Tiere zerdrückt, geben sie ein Wehrsekret ab, das häufig als ranzige Butter, Aceton oder verbranntes Plastik beschrieben wird.
Da die Grosse Drüsenameise der Schwarzen Wegameise (Lasius niger) äusserlich sehr ähnlich sieht, ist eine genaue Bestimmung für Laien oft schwierig. Bei einem Verdacht helfen wir gerne bei der fachlichen Beurteilung und Bestimmung.
Bildquelle: Tapinoma magnum, photo by Mattia Menchetti, from iNaturalist via GBIF, licensed under CC BY 4.0. Accessed 27th of July 2026.
Eine frühzeitige Erkennung ist entscheidend, da sich kleine Kolonien deutlich einfacher eindämmen lassen als bereits weit ausgebreitete Superkolonien. Auch unsere Biologin Dr. Bettina Landau betont die Bedeutung eines frühen Eingreifens. In einem Interview mit der Zeitung «Blick» erklärt sie: «In solchen Fällen gehen wir nicht mehr von Tilgung, sondern Schadensbegrenzung aus.». Umso wichtiger ist es, einen Verdachtsfall möglichst früh fachlich zu beurteilen.
Bei einem Verdacht sollten Sie Folgendes beachten:
Keine eigenen Bekämpfungsversuche durchführen. Aufgrund der vielen miteinander verbundenen Nester und der grossen Anzahl Königinnen lassen sich Superkolonien nur schwer bekämpfen. Unsachgemässe Massnahmen können dazu führen, dass sich die Ameisen weiter ausbreiten oder lediglich in benachbarte Nestbereiche ausweichen.
Pflanzen, Erde oder anderes Gartenmaterial nicht verschieben. Dadurch kann verhindert werden, dass die Ameisen unbemerkt verschleppt werden und neue Kolonien entstehen.
Den Verdacht den zuständigen kantonalen Fachstellen melden. So kann das Vorkommen fachlich beurteilt und das weitere Vorgehen koordiniert werden.
Die zuständigen Anlaufstellen für Bern und Zürich finden Sie hier: